Viel trainiert, nix passiert? Ein Katastrophenschützer berichtet

Wenn bei Katastrophen zivile Helfer nicht mehr weiter wissen, kann die Bundeswehr helfen. Harald Heusch aus Hutten ist stellvertretender Leiter des Kreisverbindungskommandos. Er weiß: „Das Militär hat von allem mehr.“

 

Es ist ein Horror-Szenario, das hoffentlich nie Wirklichkeit wird: Zwei vollbesetzte ICE-Züge

stoßen mitten im Distelrasentunnel bei Schlüchtern zusammen. 700 Menschen sind auf einen Schlag verletzt, viele davon schwer. Auch Tote müssen aus der über drei Kilometer langen Röhre geborgen werden. Die Retter der umliegenden Feuerwehren, von Rotem Kreuz (DRK) und Technischem Hilfswerk (THW) sind zwar gut ausgerüstet, geraten bei diesem Massenanfall von Verwundeten aber an ihre Grenzen. Dann kommt Harald Heusch ins Spiel.

Der 40-jährige Versicherungsfachmann ist zusammen mit Wolfgang Busch (Büdingen) Ansprechpartner im Kreisverbindungskommando Main-Kinzig der Bundeswehr. Der Oberstleutnant der Reserve vermittelt zwischen zivilen Helfern und Militär, kennt Zuständige in beiden Bereichen und weiß, was geht.

 

Seit 2007 ist die Bundeswehr zusammen mit anderen Nothelfern im Katastrophen-Abwehrzentrum in Gelnhausen vertreten. Im Einsatz war sie im Main-Kinzig-Kreis bislang

noch nicht. Doch das kann sich schnell ändern. Wenn es wegen technischen oder menschlichen Versagens wirklich zum Schlimmsten im Schlüchterner Tunnel kommt, sind sofort viele Beteiligte involviert.

 

„Als erstes wird sicherlich die Schlüchterner Feuerwehr vor Ort sein“, weiß Heusch. „Die

wird schnell Kreisbrandinspektor Markus Busanni hinzuziehen.“ Auch umliegende Feuerwehren, DRK, THW und der Rettungszug der Bahn werden zur Unfallstelle eilen

– und schnell feststellen, dass weder ihre Transport- noch Versorgungskapazitäten ausreichen.

 

„Busanni wird dann den Landrat informieren“, konstruiert Heusch weiter. Erich Pipa (SPD) hätte dann eine Entscheidung zu treffen: „Muss ich die Bundeswehr um Hilfe bitten?“ Der Oberstleutnant weiß, dass das ein sensibles Thema ist. Beim Gedanken daran, das Militär im Inland zu aktivieren, wird so manchem Bürger angst und bange. Deswegen betont der Huttener: „Die Hoheit behält stets der Landrat. Die Soldaten sind sogar den Rettungskräften unterstellt.“ Bewaffnet sind sie dabei nicht und übernehmen auch keine Polizeiarbeit.

Ebenso wichtig ist Harald Heusch: „Wir wollen der Feuerwehr und anderen Rettungskräften

nichts wegnehmen.“ Anfangs habe es da ein paar Irritationen gegeben, doch Heusch stellt klar: „Die Bundeswehr erbringt nur die Leistungen, die zivile Kräfte nicht schaffen.“

 

Wie schnell eine Katastrophe passieren kann, zeigt das Zugunglück im Landrückentunnel

2008. Ein ICE raste damals in eine Schafherde, es gab 38 Verletzte. Auch Harald Heusch war damals in höchster Alarmbereitschaft. So gut die Reservisten auch vorbereitet sind, so hofft der Huttener doch vor allem eines: dass er und seine Männer nie gebraucht werden.



Für: Fuldaer Zeitung